Rezension | Wie der Wind und das Meer | Zart wie Federblümchen

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Rezension | Wie der Wind und das Meer


»Halt dein Gesicht in den Regen, jeder Tropfen ist ein Kuss von mir. « München, April 1945. Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen.


Die Autorin des Buches
Lilli Beck wurde 1950 in Weiden/Oberpfalz geboren, wo sie auch aufwuchs und nach der Schulzeit eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau absolvierte. Ende 1968 wechselt sie nach München. Nach zwei Wochen tippen bei einem Rechtsanwalt, wurde sie von einer Modelagentin (es gab noch keine Casting-Shows) in der damaligen In-Disco ,Blow up' entdeckt. Es folgten die ersten Fotos in Paris. Anschließend arbeitete sie u.a. für Zeitschriften wie BRIGTTE, landete wegen ihrer perfekten Beine auf Strumpfpackungen und Plakaten, war die Pirelli-Kühlerfigur der 70er Jahre und Covergirl auf der LP "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" von Marius Müller-Westernhagen. Zwischendurch absolvierte sie ein Schauspielstudium, war Cutterassistentin, (u.a. bei Wim Wenders' "Der amerikanische Freund"), und bekam erste TV- und Filmrollen. Durch die intensive Arbeit mit Texten begann sie, Kurzgeschichten zu verfassen. Nach der Geburt ihrer Tochter gab sie die Schauspielerei auf und wechselte hinter die Kamera als Visagistin. 2000 verließ sie die Welt des schönen Scheins, um nur noch zu schreiben. 2002 die ersten Veröffentlichungen von Kurzkrimis. 2008 der erste Roman: "Reich heiraten!", dem "Chili und Schokolade" und "Sie haben sich aber gut gehalten!" folgten. Unter dem Pseudonym Mira Becker hat sie den Roman: "Couchgeflüster" verfasst, und als Annette Bluhm den Weihnachtsroman "Die hässlichste Tanne der Welt". Des weiteren erschienen: "Liebe auf den letzten Blick", "Liebe verlernt man nicht" und "Geld oder Liebe." Im August 2015 "Glück und Glas" eine berührende Saga über 70 Jahre deutsche Geschichte und das bewegenden Schicksal zweier Freundinnen. (Quelle: Autorinprofil bei Amazon)



Gedanken zur Buchgeschichte

Als ich den Klappentext las war ich sehr gespannt, was in diesem Buch auf mich zukommen würde. Nicht nur, dass es schon einen gewissen Teil der deutschen Geschichte aufzeigt, sondern ob Paul und Sarah jemals wieder zusammenfinden werden. Wie ihre  verschiedenen Lebens- und Liebesgeschichten nach Trennung ihrer beider Wege weitergehen würden. Das es im Endeffekt ausging, wie es ausging hätte ich nicht gedacht, wirklich überhaupt nicht. Ich bin jetzt noch überwältigt davon. Ich fand die Anfänge der Geschichte um Paul und Sarah wirklich klasse, alleine die genauen Beschreibungen der Kriegszeit, ließen mich so manches Mal erschaudern. Was für Zu- und Umstände in den Jahren nach Hitler herrschten war katastrophal und es war dennoch schön zu lesen, wie sich die Menschen nach und nach wieder etwas aufgebaut haben und Freude daran verspürten, glücklich waren mit dem was sie hatten und bis das soweit war, war das natürlich harte Arbeit. Wie sehr sie sich über Obst und Gemüse gefreut haben und wie lange sie anstehen mussten, nur um einen Brotlaib zu bekommen oder Zigaretten die sie dann gegen etwas Anderes, etwas Nahhaftes tauschten. Dies erinnert mich sehr an die Erzählungen meiner Großeltern und ich habe mich durch diese Buchgeschichte gleich an sie und ihre Erzählungen erinnert. Heutzutage kann man sich das gar nicht mehr vorstellen, denn heute fährt man in den Supermarkt und kauft sich das, worauf man gelüstet und damals? Da musste man Stunde und Stunde anstehen und hoffen das noch etwas für einen abfiel.

Als Paul und Sarah durch die Trümmer zogen, wurde das so gut beschrieben, dass ich alles bildlich vor Augen hatte und mitfühlen konnte, wie sie sich just in diesem Moment fühlen mussten. Einfach so ohne Familie und mit nichts dazustehen, sich noch beklauen lassen zu müssen und auf sich alleine gestellt zu sein war etwas, was mich manche Male schlucken ließ. Alleine die kleine Sarah, sie hätte meine Tochter sein können wenngleich sie etwas älter war.

Auch nicht nach dem Krieg herrschte in allen Herzen der Frieden, ganz im Gegenteil. Viele dachten auch an sich und desto schöner fand ich es, als die beiden auf das Bandenmitglied trafen, auch wenn das was danach kam um Längen schöner war, wenngleich auch mit fatalen Einbrüchen die mich sehr mitrissen aber doch absehbar waren, einfach weil es so nicht weiterging zu diesem Zeitpunkt.

Auch als die Geschichte immer und immer weiter voranschritt, war ich einfach nur begeistert. Das Gute ist, dass die Buchgeschichte in fünf Teile gegliedert ist. Der erste Teil schreibt die Jahre 1945 bis 1948. Der zweite Teil schreibt die Jahre 1952-1955, der Dritte die Jahre 1960 bis 1970. Das Vierte die Jahre war 1975 bis 1980 und der letzte Teil und somit der Fünfte war von 1980-1989.

Ohne viel vorweg zu nehmen kann ich nur schreiben, dass ich das ganze Buch über, also von 1945 bis 1989 immer wieder mitgefiebert habe, schmunzeln musste, lächeln musste und mich wirklich sehr in die Geschichte verliebt habe, dass ich traurig darüber bin dieses Buch nun weg zu legen aber ich bin mir sicher, dass ich es noch einmal lesen werde - irgendwann. Dieses Buch bleibt mir in Erinnerung und das für immer. So lange bis auch mein fünftes Kapitel zu Ende ist.



Gedanken zur Umsetzung und dem Schreibstil dieses Buches

Die Umsetzung des Buches ist einzigartig für mich und der Schreibstil so wahnsinnig mitreißend, dass ich für das Buch wirklich nicht lange gebraucht habe, um es fertig zu lesen. Es liest sich unwahrscheinlich leicht und packt dich von Seite zu Seite, sodass du das Ende gar nicht abwarten kannst. Und ist das Ende dann da, möchtest du am liebsten noch einmal von vorne beginnen. Das habe ich ehrlich gesagt bisher noch gar nicht gehabt. So wie es ist, ist es für mich perfekt.



Gedanken zu den Protagonisten von »Wie der Wind und das Meer «

Paul - ja, was soll ich zu Paul nur schreiben? Ein ganz großartiger Junge und später auch erwachsener Mann. Immer um alles und jeden bedacht, konnte auf dem Markt anpacken und war absolut hilfsbreit. Sympathisch fand ich ihn von Anfang an und als kleiner Junge, als er auf Sarah traf so wahnsinnig zerbrechlich und dennoch mutig und stark. Seine Liebe zu Sarah gab ihm diese Stärke durchzuhalten. Von Abschnitt zu Abschnitt wurde er dann erwachsen und versank in seiner Arbeit, dem Alkohol und ich fand das so schade, dass er diesen Weg wählte, wenngleich ich das auch absolut nachvollziehen konnte. Aus Liebe zu Sarah und um sich herum aber alles andere, außer seine Arbeit vergessend, was einer Person leider "das Genick brach". Welche Person das ist möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Das es am Ende aber so ausgehen musste wie es ausging, hätte ich nicht gedacht um ehrlich zu sein. Ich wurde sehr überrascht aber lest selbst. Es ist sehr, sehr emotional und auch traurig.

Dann zu Sarah oder soll ich Rosalie schreiben? Sarah war mir auch von Anfang an, selbst als kleines Mädchen total sympathisch. Ich fand sie hatte schon immer eine kesse Art und dafür habe ich sie geliebt. Zudem war sie immer ehrlich, auch wenn sie damit so manches Mal leicht ins Fettnäpfchen trat und unsympathisch zu werden schien. Das Leben welches sie in diesem Buch hat, macht mich zum Ende hin sehr traurig, denn das hat sie so absolut nicht verdient. Alleine schon nicht wegen ihrer Vergangenheit zu Kriegszeiten und im Heim. So hatte sie wie Paul ein schweres Schicksal zu tragen und ein schweres Herz mit Liebe zu ihm.

Emma, die liebe und etwas nervige Emma die Paul immer und immer wieder anhimmelte und für kleinere Bestellung extra zu ihm in den Laden lockte. Erst konnte ich mit ihr nicht warm werden aber im Laufe des Buches, als es so kam wie es kam ohne viel vorauszunehmen, fand ich sie wirklich toll und was sie alles aushalten musste. Hut ab. Emma wuchs mir also immer mehr ans Herz.

Die liebe Agathe, sozusagen "Großtante" von Paul und Sarah. Was habe ich sie gemocht und doch hatte ich bei ihr das Gefühl, dass sie das Wohlbefinden der Kinder nicht mit ihrem Ego vereinbaren konnte. Sie war immer für beide da aber die Rahmenbedingungen waren einfach nicht optimal. Dennoch gab sie ihr letztes Hemd und war mir auch sehr sympathisch.

Wilma und Albert, die beiden Adoptiveltern von Paul und Sarah. Beides ganz liebe Menschen aber für mich, für meine Persönlichkeit wäre es manchmal etwas zu viel des Guten gewesen. Sie ließen sie beide zwar gewähren aber irgendwie kann ich das auch nicht wirklich beschreiben, man muss es selbst gelesen haben. An einer Stelle im Buch, hatte ich das Gefühl das einer von beiden Elternteilen in Richtung emotionale Erpressung ging. Das fand ich absolut unangebracht aber in der Zeit war das wahrscheinlich vollkommen normal. Zumindest kenne ich das auch aus Erzählungen meiner Großeltern wie damals miteinander gesprochen wurde.



Lieblingszeile des Buches
»Halt dein Gesicht in den Regen, jeder Tropfen ist ein Kuss von mir. «


Schlussgedanke

Dieses Buch übertrifft wirklich alles, was ich in diesem Jahr gelesen habe. Es hat mich mitgerissen, ich habe jede Zeile in mir aufgesogen, ich habe mitgefiebert, ich habe am Ende fast weinen müssen und ja, dieses Buch ist für mich wirklich eines der besten Bücher die ich bisher lesen durfte. Es ist wie der Wind und das Meer, mitreißend, kühl, herzerwärmend und einfach nur absolut grandios!

Und PS: Lebt die Liebe in euren Herzen und folget immer eurem Herzen. Es ist so viel wichtiger als alles Geld der Welt und die tollste Karriere.  Dies macht dieses Buch mehr als deutlich.



*Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Randomhouse Verlag und dem Blanvalet Verlag kostenfrei für eine Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung zu diesem Buch wurde deswegen nicht beeinflusst und jedes Buch wird ehrlich von mir rezensiert.

Kommentare

  1. Hallo Liebes,
    das klingt ja nach einem tollen Buch! Da möchte man ja direkt auch reinlesen :) Ich danke dir für den Tipp!

    Liebst Linni
    www.linnisleben.de

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  2. Wie schön, dass Bücher so berühren können. Das hört sich nach einem tollen Buch an, perfekt für die kommenden freien Wochenenden!

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

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  3. Das hört sich nach einer wirklich guten Geschichte an. Ich hbe auch schon Bücher gelesen, in die ich mich sehr stark hineinversetzt habe und beim Lesen das Gefühl hatte, ich bin mittendrin.

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

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  4. Das Blow-Up sagt mir auch noch was, das ist lange her aber man musste einmal dagewesen sein. Glück und Glas habe ich gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Ich werde wohl auch das Neue Buch von Lilli Beck lesen, da mir ihr Schreibstil sehr gefällt.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  5. ¡Hello!
    Beautiful photos. Great post.
    I'm your new follower.
    Follow for follow?
    Aprovecha La Vida Cada Día
    ¡Kiss!

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  6. Meine Liebe,

    das hört sich wieder einmal nach einem schönen Buch an! Das wäre perfekt für die langen Abende vor Weihnachten! Ich werde mir das gleich auf meine Wunschliste setzen :-)!

    Liebe Grüße
    Verena von www.avaganza.com

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